Das waren noch Zeiten

Mit 20 Jahren bin ich mit meinem Göttergatten zusammengekommen. Damals nannte ich ihn natürlich noch meinen Freund, was ja an sich schon sehr wichtig klingt. Aber es wird noch viel wichtiger. Er hatte nämlich ein eigenes Auto. Ha, nicht jede konnte mit einem Freund glänzen, der ein eigenes Auto hatte – zumindest damals konnte das noch nicht jede. Leasing war damals nämlich noch nicht so im Trend. Und ich kam mir so unglaublich erwachsen vor, wenn ich sagen konnte: „Mein Freund holt mich mit seinem Auto ab.“ Huiiiiii!!!

Ja, was man damals besass, war in der Regel bezahlt. Und weil der geliebte Mann neben dem Job noch studierte und auch schon eine eigene Wohnung mitsamt allem Drum und Dran zu bezahlen hatte, musste er ziemlich schmal durch. So war das wahnsinnige Auto, welches er gerne als „seine Rennmaschine“ bezeichnete, in Wahrheit ein klappriger Ford Fiesta, bei welchem eigentlich nur die Stereoanlage wirklich funktionierte. Die Beifahrertüre liess sich schon lange nicht mehr öffnen, sodass ich immer durch die Fahrertüre auf den Beifahrersitz klettern musste. Und die Schaltung glich einem Kampf mit der Schöpfkelle. Lärm machte das Teil ohne Ende – Kraft hatte es eher wie eine lahme Ente! Aber damals war mir das so egal … mein Freund hatte ein eigenes Auto. Und eine eigene Wohnung noch obendrauf.

Habe ich schon erwähnt, dass man – wenn man verliebt ist – die Sachen offenbar schöner sieht, als sie in Wirklichkeit sind? Seine Wohnung war nämlich – sorry, lieber Göga – ein ziemlicher Saustall. Sie war überall mit Spannteppich ausgestattet und mein geliebter Schatz hatte nicht einmal einen Staubsauger. Wer also nicht weiss, wie eine richtig dicke Staubschicht aussieht – ich könnte euch da Sachen erzählen…

Nach der ersten Extremverliebtheit habe ich ihn also davon überzeugt, dass in jede Wohnung ein Staubsauger gehört, weil der Teppich sonst nicht ganz so hübsch aussieht. Und er hat sogar auf mich gehört und hat sich über seinen Staubsauger gefreut, als ob es ein Maserati gewesen wäre. Wenn wir aus dem Ausgang nach Hause kamen (wohlgemerkt, mit seinem Wahnsinnsgefährt), dann hat er beim Eintreten in die Wohnung leise gesagt: „Hallo Staubi, wir sind wieder dahaaaa!“

Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, lache ich mich heute noch schlapp – vor allem über die Tatsache, dass mir damals all diese Dinge so wahnsinnig toll vorkamen. Heute würde ich vermutlich loszetern und den Wagen abschleppen lassen – und in die Wohnung würde ich ein Putzinstitut schicken. Ja, mit Schmetterlingen im Bauch wird eben der klapprige Ford zur Luxuslimousine und die Chaoswohnung zum Schloss. Das waren noch Zeiten – einfach nur schön! 🙂

25 Gedanken zu „Das waren noch Zeiten

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