Diskretionsabstand

Kennt ihr sie auch, die hiesigen kleinen Bankfilialen, die in etwa die Grösse einer Hundehütte haben? Bei uns gibt es von diesen noch so einige, schliesslich leben wir auf dem Land. Und da steht zwar bei der Bankfiliale an der Eingangstür ein Schild, auf welchem steht „Bitte Diskretionsabstand wahren“, es könnte aber auch genauso gut stehen, dass man draussen warten soll. Es ist in diesen Minifilialen nun einmal nicht möglich, dem Vordermann (oder der Vorderfrau) nicht im Nacken zu sitzen. Und weil wir ja ein ganz offenes Völkchen sind, haben die meisten Bankfilialen auch die Glasfronten zwischen Berater und Kunden verschwinden lassen. Alles offen, alles sehr familiär. Prima – vorausgesetzt, es kommt nicht zu peinlichen Situationen.

Man stelle sich mal bildlich folgende Situation vor: Modepraline betritt mit forschem Schritt (wie immer halt…) die Bankfiliale, steuert auf den freien Schalter zu und sagt zu ungefähr 17-jährigem Jüngling:
Guten Tag. Ich hätte gerne 500 Euro von diesem Konto.“ Dabei schiebe ich die Kontokarte über den Tresen und warte.
Der Jüngling hämmert auf seiner Tastatur rum, schaut mit einem Stirnrunzeln auf den Bildschirm und meint trocken: „Das geht leider nicht.“
Inzwischen haben noch zwei weitere Kunden (aus meinem Heimatdorf) die hundehüttengrosse Filiale betreten.
Ich schaue etwas verdattert den Jüngling an und frage: „Und warum geht das nicht?“
Er daraufhin mit gefühlt 100-Dezibel lauter Stimme: „Weil das Konto nicht gedeckt ist!“
Leute, wenn es DEN Moment gibt, in welchem man sich wünschte, der Boden würde sich öffnen und man würde drin verschwinden, dann war das genau DIESER Moment. Und meine Reaktion machte die Situation auch nicht besser, im Gegenteil:
Sorry, junger Mann, aber das kann beim besten Willen nicht sein. Könnten Sie bitte noch einmal nachschauen.“
Er total cool: „Ich habe bereits zweimal geschaut. Es tut mir leid, ihr Konto ist nicht gedeckt.“
Nun ja, die Tatsache, dass ich nach dem Filialleiter verlangte und sich das Ganze nach 10-minütiger Diskussion tatsächlich auflöste, machte es auch nicht besser. Schliesslich hatten sich die inzwischen zu dritt in meinem Nacken stehenden Kunden köstlich über das Schauspiel amüsiert und wussten nun auch bestens über meine Finanzen bei besagter Bank Bescheid. Ich war nur froh, dass der Göttergatte mit Kampfhund Ellie draussen auf mich wartete – schiesslich könnte es ja sein, dass irgendeinem Zuhörer einfällt, auf dem Absatz kehrt zu machen und mir draussen das Geld wieder abzunehmen. Bei soviel Diskretion – wer weiss!

Ich mag diese kleinen Bankdinger nicht. Sonst könnte ich ja meine Finanzen gleich in der Zeitung publizieren!

22 Gedanken zu „Diskretionsabstand

  1. Diese Miniaturschalter sind hier bei uns zum Glück ohne Personal… insofer… aber auf einem grooosen Parkplatz eines Supermarktes in diese kleine Blechhütte und Geld“ziehen“ ist auch nicht so dolle.. überfalltechnisch z.B. dafür muss man nicht „reden“.
    Sehr peinlich war mir mal in Bern, als ich ausländische Währung haben wollte…
    Norwegische Kronen ? Jöööööö.. Norwegen… träumerischer Blick.. da waren wir letztes Jahr.. usw usw.. auch sehr laut… äähm excüse… ! Ich müsste dann auch weiter… äääähm…
    Wo ich denn hinfahren wollte… äääähm… sind nicht für mich.. sondern für meinen Freund, der hatte keine Zeit zur Bank usw usw.
    WAAAASSS ? Auso.. Frau B. so geit das auso nööt.. ihr Herr Fründ soll gefälligst selbst.. usw usw.
    Huuuu was für ein Aufstand… ich musste dann auch noch sagen, dass sein Konto derzeit nichts mehr… usw usw.
    Zum unter den Teppich kriechen…..
    S.

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  2. DAS kann bei uns nicht passieren, denn so klein kann der Ort gar nicht sein, als dass die Bank nicht doch eine relativ riesige Filiale aufzuweisen hätte. Mein letzter Wohnort hatte etwa 200 Einwohner, und eine Filiale wie ein Autohaus.
    Aber schließlich müssen die Dispo Zinsen ja irgendwo gebunkert werden.

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      • Mein jetziger Wohnort hat ca. 7.500 Einwohner, und hier gibt es 3 Bankfilialen, die im Vergleichh zur Hundehütte riesig sind. Das gilt für Sparkasse und VR-Bank. Die Commerzbank ist zwar kleiner, aber immerhin. Ev. ist das ja eine dt. Eigenart, denn auch die Krankenkassen machen es nicht unter Maxium. Es hat zwar hier nur die AOK vor Ort, aber die hat ein 2 stöckiges Eigengebäude.
        Bei DEN Gebühren, die zumindest die Banken nehmen, ist es auch kein Wunder, was sich die leisten können (die nehmen 10-15% für Kontoüberziehung und zahlen selber mittlerweise NULL Prozen).

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  3. laaach kann dir gut nachfühlen. Mir ist mal was Änliches an der Supermarktkasse passiert. Nach Eingabe meiner Geheimzahl schaute die Kassiererin kritisch auf ihren Monitor und brüllte: LIMITE ÜBERSCHRITTEN !! Natürlich in unserem Wohnort…

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