Kühe tun nichts

Meine allerliebste Freundin hat Angst vor Kühen – oder zumindest ziemlichen Respekt. Seit Jahren lache ich sie deswegen aus und predige ihr immer, dass diese schönen Tiere doch nichts tun. Im Gegenteil: „Hast Du schon mal in deren wunderschöne Augen mit den langen Wimpern geschaut?“ Ein Satz von mir, der mir kürzlich selber in den Ohren klang, als ich ein schräges Kuherlebnis hatte.

Die allerliebste Freundin, der weltbeste Göttergatte und die süsse Ellie haben mich nämlich auf einen Regenmarsch durch die Tiroler Wald- und Bergwelt begleitet. Man muss noch dazu sagen, dass alle dunkel angezogen waren – ausser mir. Ich hatte meinen knallroten Hamburger Superregenmantel an. Und bluffte noch dazu: „Immer meinen alle, bei Regen müsse man noch zusätzlich mit dunkler Kleidung aufs Gemüt drücken. Pha, da sei mir mein roter Regenmantel gelobt.“ Farben haben bekanntlich ja einen grossen Einfluss aufs Gemüt.

Beim „Einstiegstor zum Spiessrutenlauf“ hatte ich so eine Ahnung, dass Kühe vielleicht doch nicht immer Freude an Menschenkontakt haben. Aber der Göttergatte meinte beim Anblick der rund 12 grossäugigen Tiere, welche beim Tor standen: „Kein Problem, die sind sich Wanderer gewohnt.“ Bestimmt hatte er recht, schliesslich stand auch nirgends eine Warnung oder so. Man muss dazu sagen, dass die Tage davor auf derselben Route die Kühe noch nicht auf der Weide waren – die waren also eben erst für die Sommerung gebracht worden.

Wisst ihr, wie Kühe drauf sind, wenn sie nach dem Winter die ersten Tage frisch auf der Weide sind? Ich weiss es jetzt: Wild, aufsässig, laut und beängstigend. Die hübschen Tiere fanden nämlich unser Betreten „ihres“ Terrains nur mässig gut und kreisten und blitzschnell ein. Wie ich in dem Moment meinen roten Regenmantel ins Niemandsland wünschte! Klein Ellie fing an zu zittern und die grossen Tiere wurden ob ihrem Knurren eher noch angestachelt. Ich nahm Ellie ganz kurz an die Leine und beschleunigte meinen Schritt von null auf gefühlte 200 km/h. Meine Freundin klebte dicht an mir und meinte: „Weisst Du jetzt, warum ich Angst habe vor den Viechern?“ Klar wusste ich es, denn meine Schweissperlen unter der Jacke kamen definitiv nicht von der Anstrengung. Zugeben? Nur bedingt! Der Göttergatte schaffte es, die aufsässige Herde hinter uns zu drängen, sodass wir mit superzügigem Schritt und ohne zurückzublicken den Durchmarsch durch die Weide schafften.

Wir erzählten übrigens abends unsere Story den ortsansässigen lieben Hotelfreunden. Darauf kam die ziemlich trockene Erklärung: „Ja, es gibt jedes Jahr wieder irgendwo einen Todesfall, weil diese Tiere oft unterschätzt werden. Und wenn noch ein Hund im Spiel ist, wird’s besonders heikel.“ Na prima – noch mal Schwein gehabt, würde ich meinen.

 

22 Gedanken zu „Kühe tun nichts

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