Ich werde schwierig

Kennt ihr das Gefühl, mit jedem weiteren Jährchen auf dem Zähler ein kleines bisschen schwieriger zu werden? Also, ich kenne dieses Gefühl sogar sehr gut. Ich entdecke an mir Eigenarten, die ich entweder früher nicht hatte, oder die mich auf einmal an mir nerven. Das kann nur mit dem Alter zusammenhängen.

Und das allerschlimmste ist, dass ich auch im Bezug auf meine Mitmenschen schwieriger werde. Dinge, die ich an Mitmenschen schon lange kannte und die mich niemals gestört haben, gehen mir auf einmal auf den Senkel. Oh weh – ich stehe wohl kurz vor dem Altersheim!? Nein, natürlich nicht! Aber man entwickelt halt so seine Eigenarten.

Ich merke, dass ich gewisse Rituale, die ich mir im Laufe der Zeit so angewöhnt habe und die mir lieb sind, nicht gerne stören lasse. Da gehört zum Beispiel dazu, dass ich morgens nach dem Aufstehen mit Kaffee und Laptop mindestens eine Stunde am Küchentisch sitze und einfach in Ruhe lesen, schreiben und aufwachen möchte. Wenn man mich in diesem Aufwachmodus stört, dann werde ich ungemütlich. Ich mag es nämlich nicht, wenn man mich morgens zuquasselt oder stresst.

Genauso ist es auch, wenn es darum geht, abends meine Ruhe haben zu wollen. Früher war ich ein Herdentier (zwar immer das Alphatierchen, aber eben mit Herde). Heute bin ich zwar hin und wieder gerne in der Gruppe – aber mindestens genauso gerne bin ich auch alleine. Dann brauche ich meinen Freiraum, meine Zeit und meine Ruhe. Keine Gespräche, keine Witze, keine Spassrunden – einfach nur meine Ruhe. Und da kann es schon mal vorkommen, dass mir jedes ungewöhnliche Geräusch auf den Senkel geht.

Ich dachte immer, ich wäre im Alter die perfekte Frau für eine Alterswohngemeinschaft. Oh mein Gott! Ich wäre vermutlich eher eine aktive Sterbehilfe. Ich bin nämlich sowas von gar nicht wohngemeinschaftstauglich. Ich muss mich zurückziehen können, wenn ich das möchte. Sonst werde ich bucklig und unausstehlich. Und wer will das schon. Also vergessen wir die Alterswohngemeinschaft. Ich disponiere um: Göga und ich … er mit motorisiertem Rollator – ich mit übergrossem Laptop. Oder so ähnlich! 🙂

26 Gedanken zu „Ich werde schwierig

  1. Ich bin gar nicht schwierig, war es nie und werde es auch nicht werden!
    Die ‚Anderen‘ sind schwierig, wenn ich nicht in Ruhe ein Buch lesen, meinen Kaffee trinken, einfach dasitzen und malen oder kritzeln kann und der Arbeitstag kein Ende nimmt und die Kunden nicht merken, daß es schon 18 Uhr ist und wir eigentlich schon geschlossen haben..ich bin nicht schwierig !!

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  2. Die „aktive Sterbehilfe“ muss ich mir merken. Großartig, wenn auch etwas makaber. 🙂

    Soll ich dir etwas verraten?
    Ich BIN schwierig.
    Ganz offensichtlich.
    Denn auch ich tauge wohl nicht zu einer „wohnlichen Zweckgemeinschaft“. Dafür muss ich noch nicht einmal alt/älter werden.
    Da bin ich zu sehr Freigeist. (Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Man soll nie NIE! sagen.)

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  3. Hahaha 😀 Das kommt mir total bekannt vor, ich hab auch so mein Morgenritual (ewig duschen und unter dem warmen Wasserstrahl noch muckelig vor mich hin dösen, große Tasse Tee und Buch/Zeitung lesen zum Frühstück, …) – da mag ich auch nicht, wenn da irgendwas durcheinander kommt und in meinen gewohnten Ablauf dazwischengrätscht. Allerdings bin ich das komplette Gegenteil von „sehr selbstbewusst“, also daran liegt es wohl nicht. Ich glaube, jeder Mensch ist auf seine Art schwierig und mit dem Alter lernt man aber, seine Eigenarten zu akzeptieren, einige gewinnt man vielleicht auch lieb, und dann verliert man nach und nach die Lust, sich ständig in Gesellschaft zusammenzureißen. Ich bin zum Beispiel so ein unausstehlicher Dauerzweifler, der immer alles infrage stellt – und ich glaube, das kann ganz schön nerven, weil man von mir selten eine klare Antwort auf eine Frage bekommt. Ich philosophiere dann immer gerne herum, wäge die Einerseits gegen die Andererseits ab, gebe auch mal zu, wenn ich etwas schlichtweg nicht weiß und palaver mir eins vom Pferd – und wundere mich dann, warum mich alle so verständnislos angucken und mir vorwerfen, ich würde nie Klartext reden. Das finde ich dann wiederum anstrengend 😛

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  4. Warum schreibst du „ich werde schwierig“? Warst du das nicht immer, ein wenig unangepasst und launig und schwierig und über die Maßen selbstbewusst? So wie wir dich eben kennen. Schwieriger kann’s nicht mehr werden. Oder?

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    • Ich lach mich grad schlapp über so viel frechen Joey!! Ja, stimmt. Als ich den Titel geschrieben habe, dachte ich: „Ehm, war ich das denn nicht immer?“ Da hast Du absolut recht!!! Warum aber hast Du das Gefühl, dass ich über alle Massen selbstbewusst bin??? Das würde mich nun doch wunder nehmen. Woraus erliest man das, wenn man mich nicht persönlich kennt?

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      • Selbstbewusst! Das kann ich dir im Einzelnen nicht sagen. Ich verfolge deine Schreibe aufmerksam und komme in der Gesamtbetrachtung zum Ergebnis, du (gibst dich?) bist überaus selbstbewusst, vielleicht in der Ausformung einer gewissen Kompromisslosigkeit. Du hast mit Menschen im Verlauf deines Blogs nicht immer die besten Erfahrungen gemacht, das scheint dich aber geradezu angespornt zu haben, noch selbstbewusster aufzutreten. Parallel dazu kommt deine – schon immer vorhandene Tierliebe – extrem ans Tageslicht. Was mir als kleine Schnauze besonders gut gefällt. Es grüßt dich herzlich der 4pfotige Tiefenpsychologe aus dem Süden der Republik.

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      • Aha – eine tierisch gute Analyse. Aber von einem Joey habe ich auch nichts anderes erwartet, wenn ich ehrlich bin. Ja, ich denke schon, dass ich fest mit beiden Beinen auf dem Boden stehe – und wer mich umhauen möchte, könnte tatsächlich eine Beule davontragen. Das heisst aber nicht, dass ich IMMER selbstbewusst bin, manchmal plagen mich auch Selbstzweifel. Und Kompromisslosigkeit….nun ja, das hat mich erst erschreckt, aber…wenn ich es mir überlege…so falsch ist das dann doch nicht. Das bin ich wohl irgendwie geworden…warum auch immer!

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