Überreglementiert

Da lese ich die Tageszeitung und muss wieder einmal den Kopf schütteln. Lehrer/innen dürfen in den Schullagern keine Kopfschmerz- oder Fiebertabletten mehr an Schüler/innen abgeben, die sich nicht gut fühlen. Auch keine rezeptfreien Medikamente wie Panadol oder Dafalgan. Offenbar muss das immer so gewesen sein, jetzt wird es aber erst publik und soll auch durchgesetzt werden.

Echt jetzt – hat die Welt keine anderen Probleme. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Schweiz den Award für die meisten Gesetze gewinnen will. Der überreglementierteste Staat der Welt … die Chancen stehen gut! Seit unzähligen Jahren gehen Lehrer/innen mit den Schulklassen in Schullager und haben das durchaus gut im Griff. Nun muss man also definitiv etwas verkomplizieren, was sonst viel zu einfach laufen würde. Auch typisch Schweiz. Ich erinnere mich, dass ich ziemlich froh war, als mein Lehrer mir im Skilager ein Grippemittel geben konnte, weil ich mit Fieber und Kopfschmerzen im Bett lag. Üblicherweise geben Eltern ihren Kindern ja nicht einfach eine Schachtel Tabletten mit ins Schullager – da könnte nämlich viel mehr passieren, als wenn der erwachsene Lehrer dem Kind ein Schwachstrommedikament verabreicht.

Ich frage mich manchmal ernsthaft, ob wir zu derart unmündigen Menschen mutiert sind, dass man für jede Bewegung und jede Entscheidung ein Gesetz oder ein Reglement braucht. Ich für meinen Teil fühle mich dadurch fast ein bisschen entmündigt. Schliesslich traue ich mir durchaus zu, im richtigen Moment richtig zu entscheiden. Und genauso traue ich auch einer Lehrkraft zu, dass sie dies tun kann. Die gefühlt letzten 100 Jahre hat es schliesslich auch funktioniert. Aber wer weiss – wenn man in der Welt so um sich schaut, könnte es durchaus sein, dass der Grad an Verdummung akut gestiegen ist…

10 Gedanken zu „Überreglementiert

      • Schuster, bleib bei deinen Leisten. Insbesondere Kinder und Jugendliche gehören nicht von medizinischen Laien „therapiert“. Alles ist scheinbar harmlos, solange es „gut geht“. Und wenn nicht, ist das Geschrei groß. Stellt sich auch mal grundsätzlich die Frage, warum Kindern bei Kopfschmerzen (?) und Unpässlichkeiten (?) Tabletten gegeben werden. Ein etwas kritischerer und vor allem selbstkritischerer Umgang mit Medikamenten wäre wünschenswert.

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  1. Überempfindlichkeitsreaktionen könnten schon zum Problem werden und die Folgen wünscht man niemanden an die Hacken, erst recht nicht einer Aufsichtsperson.

    Alternativ könnten die Eltern bereits „erprobte“ Pharmaka für einschlägige Fälle wie simple Kopfschmerzen dem Lehrpersonal mitgeben, was jedoch ab einer gewissen Anzahl an Schülern die Kapazitäten sprengen würde.

    Andererseits empfinde ich den teilweise auch schon bei Kindern und vor allem Jugendlichen fast als inflationär zu bezeichnenden Verbrauch an Kopfschmerzmitteln als sehr bedenklich und bin der Meinung, dass man (im Normalfall) erträgliches, „schaltjahrweise“ auftretendes Kopfweh auch einfach mal nur aussitzten und nicht gleich mit den ganz harten Drogen auf Spatzen schießen sollte, sonst greift man irgendwann schon beim leisesten „Lufthauch“ zu Medikamenten, die auf Dauer nicht sonderlich gesundheitsförderlich sein können.

    Meine 2 Cent/Rappen dazu.

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  2. Deiner Meinung, was die Überreglementierung im deutschsprachigen Raum angeht, schließe ich mich durchaus an.
    Im speziellen Fall allerdings nicht. Ich meine, jemand, der krank ist, gehört nach Haus oder bestenfalls zum Arzt. Und wer welches Medikament verträgt, das sollen doch lieber mal diejenigen beurteilen, die das von berufs wegen können.
    Wenn ich überlege, wie oft ein Lehrer während meiner Schullaufbahn, ein Medikament verabreichen musste, dann geschah das genau NULL mal. Ich denke aus gutem Grund.
    Und so bin ich dann doch ein Befürworter einer Regel, die Lehrern das verbietet, dann was ein solcher mit einer Kopfschmerztablette einem Hustensaft oder einem homöopathischen Mittel auslösen kann, das ist ungewiss.
    In meiner Grundschulzeit hätte es durchaus sein können, das eine falsche Medikamentengabe mich den nächsten Tag nicht mehr hätte erleben lassen. So etwas wäre dann als „fahrlässig“ bezeichnet worden.

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