Im Irrenhaus

Meine lieben und treuen Leser/innen – so kann man sich irren: Ich dachte, ich arbeite in einem Tierheim. Mit jedem Arbeitstag wird mir aber irgendwie bewusster, dass es ein IRRenhaus sein muss. Ein lustiges IRRenhaus – bestehend aus einem IRRen Team, angeführt von einem IRRsinnig besonderen Chef, der unterstützt wird von seinen IRRE kreativen Eltern und seiner IRRwitzigen Familie. In den Boxen wohnen IRRsinnig laute Vierbeiner. Das Office wird aktuell von IRRE aufsässigen Fliegen überfallen und das macht das Arbeiten am IRRsinnig langsamen Computer für die leicht verwIRRte Modepraline auch nicht gerade einfacher. Im Team hat es lauter leicht wIRRe Weibchen, die ALLE meine Töchter sein könnten. Und jede hat so ihre eigene IRRe Geschichte, die sie im Vorbeigehen kurz noch mitteilen muss. Weil man bekanntlich über den Chef und dessen Familie keine Intimitäten schreiben darf, müssen halt die anderen Teammitglieder herhalten. Sorry, Mädels – aber da müsst ihr durch!

Da hätten wir unser Zugpferd S. Sie ist eine Macherin mit grosser Verantwortung. Zudem  hat sie aber auch den grössten Hund, das grösste Auto und die grösste Klappe (sorry S.!). Sie düst mit gefühlt 200 km/h durchs Tierheim und macht alles zeitgleich – zur Verwirrung der Modepraline, die manchmal nur noch summsummsumm versteht. Ich nenne sie den Tierheimschnellzug.

Dann gibt es A. Sie ist die Meisterin im Themenwechsel. Alle sprechen vom Wetter – sie vom bevorstehenden Date mit Mister XY. Oder sie erzählt von ihrem einsamen Leben so ganz alleine (oooooooooh) und klagt über ihren dicken Hintern (bei Kleidergrösse 36/38). Und auch ihre grösste Liebe ist – wie könnte es anders sein – ihre Hündin. Ich nenne sie das Tierheimchamäleon.

Zudem hätten wir L., bei der wir immer aufpassen müssen, dass sie bei starkem Wind nicht ausserhalb des Geheges ist. Sie könnte weggepustet werden – das zarte Wesen. Sie hat meinen persönlichen Schmollinchenaward gewonnen und kann mit ihren grossen Kulleraugen so traurig gucken, dass man sich entschuldigen möchte, obwohl es gar keinen Grund gibt. Ich nenne sie die Tierheimwundertüte.

Ach ja, zum Thema Schmollen darf ich nicht vergessen, dass wir auch noch N. hätten. Sie kann mit ihrem Gesichtsausdruck töten, wenn sie sich nervt. Ihre Blicke würden in solchen Momenten locker ganze Armeen lahmlegen. Vermutlich ist sie es, die den ultimativen Killerblick erfunden hat. Ich nenne sie die Tierheimkulleraugenqueen.

Die stille T. in unserem Team hat sich in den letzten Wochen zur lustigen Ulknudel gewandelt. Anfangs dachte ich ja, sie sei so eine Art Geist. Erscheint – verschwindet – und keiner merkt es. Und es hat eine Weile gedauert, bis ich realisiert habe, dass das zarte Wesen sprechen und lachen kann. Ich nenne sie die Tierheimelfe.

Ja, Leute – es gibt Tage, da fehlen selbst mir bis abends die Worte. Da werden gleichzeitig zum IRRen Team Ferienkatzen und Ferienhunde gebracht, andere vierbeinige Gäste abgeholt, Babyigel abgegeben, gefühlt 100 Fragen gestellt und im Hintergrund klingelt das Telefon. Rundherum ein Gewusel und der Lärmpegel bewegt sich auf rund 100  Dezibel. Das ist in der Regel auch jener Moment, in welchem das Internet kurz mal einen Streik einlegt. Ach ja, nicht zu vergessen, dass auch genau dann jemand reinspaziert, der einen Hund haben möchte. Und am Telefon erkundigt sich ein nette Frau, ob man im Dezember auch Igel besichtigen könne, weil sie da gerade Besuch aus Australien bekomme, die gerne mal einen Igel sehen möchten.

Das sind jene Tage, an welchen ich in der Regel den Arbeitsplatz abends verlasse mit den Worten: „Wo bin ich hier eigentlich gelandet? Im Tierheim, oder im Irrenhaus?“

9 Gedanken zu „Im Irrenhaus

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