Ausblenden, aber wie?

Die Welt spielt verrückt. Überall herrscht Chaos. Ich muss gestehen, dass ich zunehmend ängstlicher werde. Etwas, was eigentlich so gar nicht meinem Typ entspricht. Aber mit jeder Schreckensmeldung wird es ein Stückchen schlimmer. Und man erklärt mir rundherum, ich soll das einfach ausblenden, nicht mehr Nachrichten schauen und mich daran gewöhnen.

Also das mit den Nachrichten klappt ja schon mal gar nicht. Egal wo man hinkommt: Irgendwo hat es ein laufendes Fernsehgerät, eine aufgehängte Zeitung mit einer Headline oder beim abendlichen TV-Film läuft auf einmal ein News-Text unten über den Bildrand, der auf das aktuelle Geschehen aufmerksam macht. Man kann den Nachrichten nicht entfliehen – ausser man zieht auf eine Alp ohne alles!

Mich daran gewöhnen? Ich muss gestehen, dass ich damit extrem Mühe habe. Es ist, als ob man mir sagen würde, ich soll mich an verdorbenes Essen gewöhnen. Klappt auch nicht – gibt immer wieder Durchfall!

Das Ausblenden fällt mir aktuell gerade besonders schwer, da ich in meiner zweiten Heimat Hamburg weile. Seit zwei Jahren bin ich regelmässig hier und – was sich in den letzten Monaten hier alles verändert hat, lässt sich schwer ausblenden. Für mich gab es bisher immer nur mein schönes Hamburg. In diesem Sommer zeigt mir die Stadt auf einmal ganz viele Schattenseiten, von denen ich nicht weiss, ob die immer schon da waren. Ich für meinen Teil sehe sie zum ersten Mal in diesem Ausmass.

Mein Göttergatte und ich machen beinahe alles zu Fuss – Ellie braucht schliesslich Bewegung und uns tut das auch nur gut! Dem Hund zuliebe gehen wir – wenn immer möglich – den Parks entlang. Diese Gänge gleichen in diesem Sommer zum ersten Mal einem Spiessrutenlauf durch Müllberge und unendlich viele Glasscherben (mit einem Hund ziemlich mühsam). War das immer schon so? Und überall sitzen ganze Sippen von Menschen, die mir Angst machen. Dunkle Augen, fremde Sprachen, vermummte Frauen und komische Gerüche. Klein Ellie spürt entweder meine Angst oder sie kann diese Menschen selber nicht einordnen. Auf jeden Fall hat sie hier angefangen, alles anzuknurren, was vermummt ist oder was dunkle Haut hat. Extrem schräg, denn getan haben uns diese Menschen ja nichts. Sie sind einfach fremd. Und offenbar auch nicht gewohnt, ihren Müll wieder wegzuräumen. Leider!

Selbst am Alsterbecken, wo man sonst so wunderbar auf den Treppen sitzen und aufs Wasser schauen kann, ist alles bevölkert mit Menschen, welche aus ihren Radios balkanähnliche Musik hören und die einem das Spazieren unmöglich machen. In Sippen von bis zu 30 Leuten sitzen, knien und liegen sie da und blockieren alles.

Die Tatsache, dass gestern abend eine Polizeistreife mit Blaulicht hinter mir aufs Trottoir fuhr und durchs Megaphon „Hände über den Kopf“ rief, macht mein Gefühl auch nicht besser. Ich dachte ja vor lauter Schreck zuerst, ich würde gebüsst, weil ich im Pyjama mit Ellie vor dem Haus Pipi machen ging. Ich bemerkte erst, als ich mich umdrehte, dass hinter mir eine komische männliche Gestalt stand, die ich nicht einmal bemerkt hatte. Prima! Herzlichen Dank auch … mein Herz ist kurzerhand in die Pyjamahose gerutscht.

Was passiert hier mit meinem schönen Hamburg? Oder anders gefragt: Was genau soll ich nochmal alles ausblenden?

17 Gedanken zu „Ausblenden, aber wie?

  1. Ich finde den Beitrag richtig gut. Zwar wird es einige geben, für die das vielleicht sogar am Rande rassistisch ist, aber mir gehts hier in Leipzig ähnlich. Wenn ich hier abends weg gehe und es kommt mir eine Gruppe solcher Männer entgegen, wechsle ich lieber die Straßenseite. Aber eins muss ich noch sagen: Dran gewöhnen??? Das halte ich für äußerst gefährlich! Wir dürfen uns nicht an solche Umstände und Gräueltaten in er Welt gewöhnen. Stattdessen sollten wir lieber mal was tun. Oder mit bestimmten Dingen aufhören. Völkerrechtswidrige Kriege zum Beispiel…

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  2. Hm. Entweder habe ich immer ein anderes Hamburg erlebt oder irgendwas ist komisch. Während ich dort gelebt habe, waren auch oft große Gruppen beisammen, haben an der Alster gesessen, Musik gehört und sich unterhalten. Ob nun Deutsche oder Ausländer. Wurscht. Und es gab auch immer wieder Vorfälle, bei denen mir als Normalo Angst und Bange wurde. Daher war es für mich eine sehr gute Idee, die Stadt zu verlassen. Das war vor drei Jahren. Wie es inzwischen ist, kann ich nicht beurteilen. Aber es klingt gerade nach „Alles war super und schön und ordentlich und dann kamen die Ausländer.“ und das kann ich so ad hoc nicht glauben, denn Hamburg ist keine rosarote Stadt. Noch nie gewesen.

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  3. Realität ist meine Kleinstadt hier auf dem Land. Da bin ich dann doch froh, nicht in eine Großstadt zu wollen, denn was ich dort vorfinden würde, das kann ich mir auch so ausmalen. Voll nachvollziehbar wie du dich fühlst. Da is dann nix mehr mit ausblenden. Nö nö. …da bleib ich lieber hier

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  4. Mir glaubt ja keiner und die Landpomeranzen schon mal gar nicht. Hamburg ist auf dem absteigenden Ast. Überall Dreck und stinkende Menschen. Haben die keine Dusche ? Heute war von einem Mann ein kompletter Supermarkt verpestet. Polyacryl Pullis sind nichts bei dem Wetter hier.

    Der nächste Aufruhr wird kommen, wenn die Asylanten in die neuen Wohnungen ziehen und Deutsche in die Röhre schauen.

    Stell dich also nicht so an, die Weltverbesserer werden es schon organisieren.

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