Lebenswert?

Wann ist bei einem Tier ein Leben rettenswert?
Wer entscheidet über Leben und Tod?
Spielen Kosten dabei eine Rolle?

Als ehrenamtliche Mitarbeiterin in einem Tierheim werde ich im Alltag mit Fragen konfrontiert, die mich nicht selten ins Grübeln bringen. Vieles klingt in der Theorie so logisch und einfach – in der Praxis sieht es aber ganz anders aus.

Wenn eine verunfallte und verwaiste Katze bei uns abgegeben wird, dann wird nach einem ersten Augenschein das Tier dem Tierarzt vorgestellt. Dieser stellt einen Befund und erläutert, ob eine Rettung möglich ist und ob sie Sinn macht für das Tier. Dabei überschlägt er im Kopf gleich noch die Kosten, welche für eine Rettung entstehen werden. Hat das Tier keine Besitzer (also ein Findeltier), so muss das Tierheim mit Spendengeldern für diese Kosten aufkommen – es sei denn, man entscheidet sich gegen die Rettung des Tieres.

Wir hatten kürzlich einen Fall, bei welchem eine rabenschwarze Jungkatze bei uns abgegeben wurde. Das kleine Fellknäuel lag miauend im Wald mit angeknabbertem Ohr, total kaputtem Schwanz und einem völlig deformierten, aber äusserlich unverletzten Schädel. Streichelte man das verletzte Tierchen, so fing es an zu schnurren. Die Kleine wurde vom meinem Tochterkind in die Tierklinik gefahren (das Tochterkind arbeitet inzwischen auch des Öfteren im Tierheim und im Tierschutz mit) und – wie sollte es auch anders sein: Das Tochterkind beschloss, dass man das Tierchen unbedingt retten müsse – koste es, was es wolle. Die Tierärzte informierten nach eingehender Untersuchung, dass das Tierchen schmerzfrei werde leben können, allerdings mit einer Totalamputation des Schwanzes, einer Teilamputation eines Öhrchens und mit einem deformierten Kopf (dort war nämlich der Muskel der rechten Schädelseite vom Knochen abgerissen, was das Gesicht schief hängen lässt).

Das Tierheim (inzwischen Besitzer des Findlings) beschloss, diesem Tierchen eine Chance zu geben. Die Operation wurde also gemacht. Und das Tierchen hat diese gut überstanden. Inwischen heisst das Tierchen im übrigen Luna und lebt sich in seinem neuen Zuhause bei der Tierarzthelferin ein. Diese hat sich nämlich auch sofort in das schwarze Samtpfötchen verliebt und es nach der OP mit nach Hause genommen.

Die kleine Luna ist also gerettet worden. Sie lebt schmerzfrei und dankt die Rettung mit ihrem lauten Schnurren. Ob eine solche Rettung Sinn macht, darüber streiten sich die Fachleute. Tatsache ist, dass sich gerade bei solchen Eingriffen die Besitzer nicht selten gegen eine Rettung aussprechen, weil es schlicht zu teuer ist. Also spielt definitiv auch das Geld eine grosse Rolle. Hätte das Tier anschliessend für immer Schmerzen, so würde ein Eingriff auch tatsächlich keinen Sinn machen. Wenn es aber schmerzfrei leben kann, so ist wahrlich die Entscheidung sehr schwer. Wie würdet ihr entscheiden?

20 Gedanken zu „Lebenswert?

  1. Ich finde auch, wenn das Tierchen schmerzfrei leben kann, sollte man es nach Möglichkeit retten. Die Frage ist meiner Ansicht nach nicht, welches Leben rettenswert ist und welches nicht, denn das können nur die Tierärzte beurteilen, ob ein schmerzfreies Leben möglich ist. Sondern die Frage ist, wie kann man Tierheime und Tierschutzorganisationen mit mehr finanziellen Mitteln ausstatten, damit sie keine Tiere aus Kostengründen einschläfern müssen, obwohl sie hätten gerettet werden können. Da ließe sich doch bestimmt bei einigen Prestigeprojekten ein Milliönchen abknapsen und dem Tierschutz zur Verfügung stellen.

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  2. Wenn ich das folgende schreibe dann meine ich das in keiner Weise Sarkastisch. Und ich habe großen Respekt vor jedem der hilft!! Aber ich muss das folgende einmal sagen und es geht gegen niemanden persöhnlich. Jedes Leben ist schützenswert.
    Seit wie vielen Jahren ist erwiesen das Tierversuch nicht auf den Menschen übertragbar sind? Und wie viele tausende Mäuse, Ratten Hunde Katzen Affen und und und, sterben Täglich in den Laboren der Pharma- und Kosmetik industrie etc. „Zum wohle der Menschen! Alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an Hunger, während wir aufwendige Hunde- und Katzenfutterwerbung im Fernsehen bewundern können. Und zig Millionen bis in die Milliarden für einen scheiß Sportevent rausballern. Und Essen als Biodiesel in unsere Autos schütten. Bitte versteh mich nicht Falsch… aber wo will man da anfangen, oder aufhören?? Ich für meinen Teil habe keine Ahnung!

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  3. Retten.. auf jeden Fall ! Wenn der Tierarzt abschätzen kann, dass es schmerzfrei leben kann..
    Die Nachbarn hatten einen kleinen Hund.. der hat bei einem Unfall das li Hinterbein verloren.. nun bekommt er für längere Strecken so einen Rollwagen umgeschnallt und freut sich des Lebens.
    S.

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  4. Definitiv Retten, wenn das Tier schmerzfrei und lebensfähig ist!
    Ich habe selbst vor einigen Jahren ein Findelkater (geschätzte 3 Monate alt) aufgenommen. Auf dem ersten Blick war alles gut, der Tierarzt fand auch nichts. Als der kleine kohlrabenschwarzer Jack 1 Jahr alt wurde, begannen die Probleme. Er konnte einfach nicht mehr pinkeln. Er krampfte und miaute, wurde anhänglicher (da er sonst eher der Wenig-Kuschler war).
    Wir also mit ihm zum Arzt, der stellte fest, das seine Harnröhre durch Gries verstopft war. Er behob das Problem und legte uns Nahe die Ernährung umzustellen. Haben wir gemacht. Dennoch wurde es nicht besser. Nach 3 weiteren entstopfungen seiner Harnröhre, als wir feststellten es wird nicht besser, gingen wir zu einem anderen Tierarzt. Dieser hat den kleinen gleich bei sich behalten und ein rundum Check-up gemacht, um herauszubekommen was da nur los sei.
    Das Ende vom Lied, die Harnröhre war verkümmert. Nicht mitgewachsen, oder sowas in der Art. Der Kater hat sich auch nur gequält. Man hätte einen „Stant“ (schreibt man das so?) einsetzen müssen, die Kosten waren uns egal. Der Tierarzt stellte aber fest, das der Kater auch so nicht recht gesund wäre und eine OP für den Racker auch sehr sehr riskant ist und er uns davon abriet. Ende des Liedes, der kleine Jack war nicht mehr lebensfähig und wir mussten ihn einschläfern. Es war eine harte Zeit für uns. Aber besser für den kleinen.

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  5. Das ist extrem schwierig, und manchmal entscheidet eben, so bedauerlich das ist, auch der Geldbeutel.
    Natürlich muss man sich, bevor man ein Tier anschafft, darüber im Klaren sein, ob man die regelmäßig anfallenden Kosten für Futter, und die üblichen Tierarztbesuche wirklich über hat. Auch das ein oder andere Unvorhergesehene kann und soll man sicher einplanen.
    Besonders in höherem Alter des Tieres, muss man zu den üblichen Kosten durchaus schon mal regelmäßig höhere dreistellige Beträge für den Tierarzt zusätzlich rechnen. Da muss mal ein Zahn gezogen werden, die Folgen eines Nachbarschaftsstreits versorgt werden, ggf. wird das Tier chronisch krank und braucht regelmäßig mehr oder weniger teure Medikamente. Das muss man schon einplanen.
    Wenn aber z.B. ein Tumor ins Spiel kommt, können die Beträge für Diagnose und Behandlung auch bei einer Katze aber schnell mal im mittleren oder höheren Bereich 4-stellig werden, und das kann man eben nicht mehr einplanen. Das kann dann auch bedeuten, dass man sich von dem Tier verabschieden muss, wenn man nicht die eigene Existenz gefährden will. Denn ein paar Tausender können für viele Menschen schon existenzgefährdenend sein.
    Sollte man deshalb auf ein Haustier verzichten, wenn man zwar die absehbaren regelmäßigen Kosten und ggf. einen Aufschlag für das Alter tragen kann, aber weiß, dass man sicher von größeren „Katastrophen“ finanziell überfordert wäre?

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      • Unsere vor kurzem 18-jährig verstorbene Katze hatte über’s Jahr gerechnet in jungen Jahren so ca. 150-200 EUR Tierarztkosten.
        Später wurden es dann vielleicht 300.
        und in den allerletzten Jahren so ca. 600, weil Dauermedikationenen ud zusätzliche Untersuchungen hinzukamen. Ganz zum Schluss dann nochmal was extra.

        Zwischendrin gab’s mal zwei Zahextraktionen und eine OP wegen einer eiternden Bisswunde an der Backe, die in wenig aufwändiger war. ie kosteten auch immer niedrige dreistellige Beträge zusätzlich.
        Das sind Kosten, die man einkalkulieren kann. Im Alter werden sie halt teurer.
        Was man – zumindest als Selbständiger – nicht kalkulieren kann, ist die Einkommenssituation und schwere Erkrankungen mit langen oder teuren Behandlungen.

        Der Tumor, an dem sie letztlich dann – friedlich – verstarb, war zum Zeitpunkt seiner Entdeckeung bereits sehr groß und der Allgemeinzustand schon zu schlecht, als dass der Versuch einer aufwändigen Diagnostik mit MRT etc. und einer aufwändigen OP in der Tierklinik sinnvoll gewesen wäre. Sie hätte eine OP vermutlich soweiso nicht überstanden.
        Die Kosten dafür wären sicher irgendwo oberhalb von 4000 EUR gewesen, und die hätten wir definitv nicht tragen können.
        Letztlich hat uns die katze in diesem Fall die Entscheidung abgenommen. Es hätte aber auch anders aussehen können, wenn die Tumorbehandlung eine realistische Option gewesen wäre, und wir sie trotzdem eben nicht hätten bezahlen können.

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      • Das ist in der Tat so, dass die Tiere im Alter viel mehr Kosten verursachen als in jungen Jahren. Davon kann ich ein Liedchen singen!!! Mein Mann und ich hatten über ein paar Jahre nur Tiere adoptiert, die kaum mehr eine Chance auf ein neues Zuhause gehabt hätten (alt oder behindert). Die Kosten während dieser Zeit waren enorm, denn wir haben alles versucht, um ihnen die letzten Jahre noch so schön wie möglich zu gestalten. Was sie UNS während dieser Zeit gegeben haben, war unbezahlbar 💖
        Im Moment – es hat sich so ergeben – haben wir zwei jüngere Hunde. Ich muss dazu sagen, dass uns einer davon im ersten Jahr nahezu soviel gekostet hat, wie ein Oldie ☺️ Es gibt keine Garantie auf Gesundheit.

        Ich denke, es wäre nicht schlecht, wenn man monatlich ein kleiner Betrag für eventuelle Tierarztkosten beiseite legen könnte, denn ich finde es sehr schade, wenn man nur des Geldes wegen auf ein Tier verzichten muss. Ihnen ist nämlich völlig egal, ob man arm oder reich, dick oder dünn, schön oder „hässlich“ ist….SIE lieben wirklich bedingungslos (!!!)
        Sollte es dennoch sein, dass man wegen Tierarztkosten in eine Notlage gerät, gibt es sicher in der Familie oder im Freundeskreis jemand, der vielleicht helfen könnte.

        Ich würde niemals jemand um Geld bitten, ausser, wenn es um das Leben eines meiner Tiere (oder natürlich auch einem lieben Menschen ☺️) gehen würde. Ich würde in so einem Fall auch helfen, so gut ich kann.
        Deshalb nur zu, wer Tiere wirklich von Herzen liebt, sollte auch die Möglichkeit haben, eines zu halten. Es gibt immer eine Lösung…

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