Geniessen verlernt?

Ich arbeite aktuell an meiner Ernährung. Ja, richtig – ich ARBEITE daran. Es ist richtig schwierig, alte Gewohnheiten loszuwerden und sich neue anzugewöhnen.

Als erstes habe ich in der Schulung also gelernt, dass alles, was nicht selber gewachsen ist, vom Menschen in der Regel so verändert wurde, dass kaum noch etwas Schlaues an Inhaltsstoffen drin ist. Das bedeutet also vermutlich, dass Hamburger und Pommes nicht selber wachsen. Mist! Pizza auch nicht … noch mehr Mist.

Zudem habe ich gelernt, dass man nicht immer nur beiläufig schnell essen sollte. Man sollte es bewusst tun, und es dabei sehr geniessen. Jeden Bissen langsam und genüsslich beissen und schlucken. Ich bin ja eine Laptop-Esserin. Nein, ich esse keine Laptops, aber ich lese oder schreibe gerne zum Essen. Weil ich aber lernfähig sein will, habe ich mir das zu Herzen genommen und bewusst zu geniessen versucht. Ach du meine Güte – könnt ihr euch dieses Bild vorstellen: Die Modepraline sitzt am Küchentisch. Laptop bleibt zugeklappt. Zeitung liegt gefaltet auf dem Stapel. Handy in der Tasche verstaut. So! Ready to enjoy. Ich schiebe also Gabel für Gabel in meinen Mund und starre dabei das ultimative Riesenloch ins Wohnzimmer. Sogar mein eigenes Schmatzgeräusch geht mir auf einmal auf die Nerven und ich bin Lichtjahre vom Geniessen entfernt.

Irgendwie muss ich irgendwas falsch verstanden haben. Wenn ich alleine esse, dann bin ich sehr weit weg vom Geniessen, wenn ich dabei den Laptop oder die Zeitung nicht habe. Die Gabel in den Schnabel schieben und dabei Löcher in die Luft zu starren, finde ich nicht genüsslich, sondern langweilig. Irgendwie ist bei mir etwas falsch gelaufen … oder so! 🙂

16 Gedanken zu „Geniessen verlernt?

  1. Hm, allerspätestens seit 790.000 Jahren ist die Beherrschung des Feuers durch den Menschen nachgewiesen, spätestens seit damals hat er angefangen seine Nahrng zu verändern. Und seit dem hat auch beim menschlichen Verdauungssystem noch einiges an Evolution stattgefunden, selbst in den letzten 10.000 Jahren dürfte sich da noch was getan haben. Er hatte also mehr als genug zeit, sich an durch ihn selbst veränderte Nahrung zu gewöhnen. Das Argument, dass also nur Dinge gut seien, die so auch in der Natur selbst vorkomme kann ich als Biologe nicht wirklich nachvollziehen und hört sich eher ein wenig nach einem Glaubensbekenntnis an.
    Natürlich mag es sinnvoll sein nicht allzu viel industriell hochverarbeitete Lebensmittel zu essen, aber weitergehende Forderungen nach möglichst unveränderten Nahrungsmitteln kommen mir etwas übertrieben vor.
    Das bewusste Essen (beim Genuss auf Befehl tue ich mich auch schwer) hat schon Sinn, und ich muss zugeben, früher habe ich das mehr praktiziert als heute. Am Besten tut man überhaupt alles bewusst wie der Zenmeister aus dieser Geschichte 😉

    https://drkall.wordpress.com/2011/07/26/wenn-ich-hungrig-bin-esse-ich-und-wenn-ich-mude-bin-schlafe-ich/

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      • Ja, sonst bräuchten viele nicht ein Leben lang, um es am Ende zu erreichen.
        Dann aber scheint es wohl auf wundersame Weise so einfach.

        Und jetzt schweife ich mal ab: Mancher erkennt auch rational, wie einfach im Grunde die die Dinge sind. Man erkennt die meist einfachen möglichen Wege zur Lösung eines oder viele Probleme und doch ist es schwer, und für manch unmöglich sie zu gehen, was die Verzweiflung umso größer macht, zumal Außenstehende das oft nicht nachvollziehen können. Das trifft zum Beispiel aber sicher nicht nur auf Depressionen zu. Viele Betroffene sind durchaus selbstreflektiv genug, zu verstehen, was fehlt und welcheLösunge es geben könnte, trotzdem sind diese für sie subjektiv unerreichbar, so „einfach“ sie sein mögen.

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    • „[…]trotzdem sind diese für sie subjektiv unerreichbar, so „einfach“ sie sein mögen.“

      An den einfachen Dingen scheitert es doch meistens.
      Entweder weil der Mensch zu kompliziert denkt, zu kompliziert ist, oder der bekannte Wald vor lauter Bäumen zugeschlagen hat und man wieder die Brille sucht, welche sich eigentlich bereits direkt auf der Nase befindet.

      Mir geht es zudem oft so, dass ich dem einfachen Weg zumindest am Anfang misstraue, weil ich damit rechne, dass eine Ecke weiter irgendwo der sprichwörtliche Haken hängen muss.
      Da fehlt einfach eine Art Vogelperspektive, aus der ich mich von außen selbst und die Umgebung vorausschauend betrachten könnte.
      Vielleicht müsste dann- mit einer gewissen Distanz zum eigenen Selbst- nicht immer der komplizierteste Weg gewählt werden, nur weil man meint, auf diesem nicht mehr negativ überrascht zu werden.

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    • Der moderne Mensch hat sich zu viele Ablenkungsmöglichkeiten geschaffen, womit er in vielen Fällen tatsächlich derart überfordert ist, dass er noch nicht einmal mehr die einfachsten Grundlagen zu beherrschen scheint.

      Bei diesen ganzen Ernährungs-Hypes muss man aber auch bedenken, dass es hier nur um Geld geht.
      Je mehr etwas künstlich aufgebauscht und dramatisiert wird, desto mehr kann man daran als Profit für sich herausschlagen. Da geht es nicht um gut gemeinte Hilfe zur Selbsthilfe mit netten Tipps und Hilfestellungen…nein….da steckt eine riesige Wirtschaft dahinter, die aus Ängsten und dem Bedürfnis nach (gesellschaftlicher) Anerkennung ihre Gewinne zieht.

      Ich esse, was ich mag, esse mal mehr und mal weniger bewusst, aber lasse mir nicht alles davon madig machen, was irgendein Ernährungsguru mal wieder von sich gegeben hat.
      Wichtig ist die Vielfalt, sowie ein gewisses Maß an Körperbewusstsein und Konsequenz mit sich selbst.

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  2. Oh je, das hört sich wirklich nicht sehr genießerisch an. Ich frage mich auch, wie man denn auf Kommando genießen soll, das ist ja so wie auf Kommando zu entspannen. Also im Prinzip kannst du ruhig beim Essen lesen oder schreiben, wenn du dich damit wohler fühlst. Beim Abnehmen kommt es schlichtweg darauf an, dass man mehr Kalorien verbrennt, als man zu sich nimmt (bzw. weniger zu sich nimmt, als man verbrennt). Und damit man keine Muskeln abbaut, muss man ein wenig auf die Proteinzufuhr achten (ca. 0,8 Gramm Proteine pro Kilogramm Körpergewicht gelten als Richtwert). Sinnvoll ist auch, wenn man Muskelaufbau betreibt, zum Beispiel mit Krafttraining oder Zirkeltraining. Denn wenn man mehr Muskeln hat, verbrennt man auch mehr Kalorien.

    Kennst du schon das Buch „Fettlogik überwinden“ von Dr. Nadja Hermann? Das hat mir gut beim Abnehmen geholfen und es ist wunderbar unverschwurbelt, logisch, pragmatisch und mit Fakten belegt. (Hier habe ich mal ausführlicher drüber geschrieben 🙂 https://isa09.wordpress.com/2016/02/28/essai-154-ueber-fettlogik-ueberwinden-von-dr-nadja-hermann/ ) Auf Grundlage dessen kann man sich dann quasi seinen individuellen Abnehmplan basteln, sodass man auf nichts verzichten muss, auf das man nicht verzichten will. Klar, irgendwo muss man Abstriche machen (ich hab zum Beispiel die Essensportionen verkleinert, den Nachmittagssnack weggelassen und mit Sport angefangen (und festgestellt, dass das richtig Spaß macht, wenn man das in einer netten Runde macht)), aber da muss man keine dogmatischen Regeln à la „niemals Kohlenhydrate nach 18h00“ befolgen, sondern es geht darum, Prioritäten zu setzen.

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  3. Ohwei – ich fühle mit dir. Für ein persönliches Experiment habe ich mal versucht einen Wochenendeinkauf zu machen, wobei nur Dinge im Körbchen landen, die exakt so auch in der Natur vorkommen.

    Lange Geschichte in kurz – ich bin mit ein paar Paprika aus dem Laden gegangen. Kurz darauf freute mich dann im Restaurant darüber, dass Kühe schließlich auch in der freien Natur wachsen und ich deswegen kein schlechtes Gewissen bezüglich des Steaks haben müsste 😉

    Blöde Vorlieben und Gewohnheiten aber auch. Ich wünsche dir dennoch mehr Kraft als ich sie hatte 😉

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  4. Lenke den Blick auf das positive und nicht auf das, was ( noch! ) nicht klappt….und versuche den Perfektionismus ein wenig zu disziplinieren….Essen soll Spaß machen!

    Zudem möglichst viel frische Kräuter und feine Gewürze verwenden….ruhig auch mal neues ausprobieren….fessele Deinen Geschmackssinn an das köstliche Mahl auf Deinem Teller und Dir wird das Laptop-Gestarre nicht mehr fehlen….und wozu ist eine Familie da!? Freut Euch daran das Ihr nette Tischgespräche führen könnt! Wer braucht da noch Laptop oder Zeitung!?

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    • Absolut richtig – aber jeder Mensch geniesst anders … und wir sitzen leider (aufgrund unterschiedlicher Arbeits- oder Studienzeiten) nur noch selten gemeinsam am Tisch. Wenn wir alle zusammen sind, ist der Laptop natürlich nicht dabei. Ansonsten sehe ich aber das Essen ohne meine Gelese und Geschreibsel als langweilig … und dann kann ich es auch nicht geniessen. Ich liebe das morgendliche Leseritual am Frühstückstisch – und der Göga auch … der liest sich durch 3 Zeitungen … wir geniessen so … wir sind keine early-talker (cooles Wort, hmmm….)! 🙂

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