Aus meinen Kinderschuhen … Teil 5

Ich habe in letzter Zeit oft Träume aus meiner Kindheit. Keine Ahnung, ob das mit den Wechseljahren zusammenhängt. Mir fallen viele Geschehnisse aus meiner Kindheit und Jugend wieder ein.

Als ich so langsam von Kind zum Teenie wurde, realisierte ich, dass mein Papa um einiges strenger war, als die meisten anderen Väter. Zwar hätte er für mich getötet und mich bis aufs Blut beschützt. Als Süditaliener war für ihn aber klar, dass ein Mädchen sein Leben zwischen Schule und Haushalt zu verbringen hat.

Das sah ich mit dem Einsetzen des Hormonstrudels auf einmal nicht mehr gleich. Ich wollte auch Wimperntusche auftragen – durfte aber nicht. Ich wollte auch Miniröcke anziehen – durfte aber nicht. Ich wollte auch mit meinen Freundinnen ausgehen – durfte aber nicht. Ich wollte auch Nagellack auftragen – durfte aber nicht. Und wenn ich es doch einmal schaffte, mir einen Freiraum zu schaffen, dann nur deshalb, weil meine Mama für mich die Wahrheit etwas frisierte (huiiii – Geheimniskrämerei unter Weibern).

Gerade weil ich mit einem strengen Vater aufgewachsen bin, habe ich mir geschworen, dass meine Kinder niemals mit Verboten eingedeckt werden. Und das habe ich tatsächlich auch gehalten. Meine Kinder durften sich frei entwickeln und hatten so gut wie keine Verbote – es sei denn, es waren Dinge, mit welchen sie sich in Gefahr bringen würden. Ansonsten liessen wir sie aber ihren Weg selber finden und fingen sie auf, wenn sie eine Bruchlandung machten.

Mir fällt gerade ein, dass ich mit 19 Jahren einen Nasenstecker stechen liess und nicht wusste, wie ich das meinem Vater beibringen sollte. Hallo? Wir sprechen hier von einem simplen Nasenstecker. Au weia – ich hatte offenbar mehr als nur Respekt. Wenn ich daran denke, was ich alles gerne getan hätte und nicht tun durfte, dann muss ich wohl oder übel noch einmal geboren werden, um alles nachzuholen. Und dann werde ich Gas geben.

Den Spruch: „Na und, es hat Dir auf jeden Fall nicht geschadet – Du bist auch ohne all das erwachsen geworden“, den finde ich übrigens ziemlich doof. Das Gefühl, etwas verpasst zu haben, das bleibt nämlich! Mit knapp 50 Jahren muss ich nun aber auch nicht mehr durch die Discos ziehen, mich tätowieren lassen, in Miniröcken rumrennen und mir die Haare knallig färben. Jetzt wäre all das nämlich ziemlich peinlich…

16 Gedanken zu „Aus meinen Kinderschuhen … Teil 5

  1. Da bin ich wohl sehr aus der Art geschlagen….Otto-Normal-Discos waren nie mein Ding, Piercings wollte ich auch nicht (mein Körper sollte intakt bleiben dürfen) und bei Tattoos musste ich immer daran denken, wie diese wohl aussehen würden, wenn ich irgendwann einmal in Falten liegen würde. Da wird aus dem zuckersüßen Bambi ganz schnell ein Gollum. 🙂
    Dahingehend vermisse ich auch nichts.

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  2. Es ist, war ja nicht alles gut was trendy ist oder war….Diso o.k. war fun….Minirock gut…ich trug nur Hosen, breite Hosen 😅der Rest konnte mir mal….verpasst habe ich nichts….hatte aber ja auch grosse Freiheit mit meiner Vernunft😅

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