Geschrieben vor 1 1/2 Jahren … Reblog-Serie Teil 8

Mutter ist an allem schuld

Der Satz, den meine Mutter immer zu sagen pflegt, begleitet mich seit Jahr und Tag. Damals, als ich noch bei meinen Eltern wohnte, hörte ich den Satz vor allem dann, wenn mein Vater mit meiner Mutter schimpfte, weil wir Kinder krank waren. Mein Papa: „Du hast sie bestimmt zu wenig warm angezogen.“ Meine Mama: „Ja, sicher, Mama ist ja an allem schuld.“ So war das auch, wenn wir schlechte Noten schrieben oder wenn der Lehrer zum Gespräch lud. Dann waren wir Mama’s Kinder. Bei guten Noten waren wir Papa’s Kinder. 🙂 Und wenn mein Bruder und ich schlechte Laune hatten, war bestimmt auch Mama daran schuld. Sie musste ja, schliesslich war sie der Blitzableiter für alles! Jederzeit und überall! Damals habe ich das noch nicht verstanden. Heute verstehe ich es! Warum? Ganz einfach, weil ich Mama bin. Und weil ich einfach an allem schuld bin.

Angenommen es schneit, der Schneepflug der Gemeinde pflügt unsere Strasse frei und schiebt den ganzen Schnee vor unsere Garagen. Unsere Kids wollen am Morgen aus der Garage fahren, sehen das Disaster und: „Mamaaaa! Warum liegt jetzt der ganze Schnee vor der Garage? Wie sollen wir jetzt bitte rausfahren?“ Ich: „Wegschaufeln?“ „Hallo? Dann kommen wir wieder zu spät zur Arbeit! Und wer arbeitet dann abends wieder länger, hä?“ Entschuldigung, dass ich es habe schneien lassen. Ich böse Mutter.

Wie wäre es mit der Variante trendige Turnschuhe bei Regen? Der Lieblingssohn zieht los in den Ausgang, Party ist angesagt. Es schüttet in Strömen, aber die trendigen Chucks müssen es halt trotzdem sein. Am anderen Tag dann der leidige Schnupfen und die falsche Frage von mir: „Hast Du Dich erkältet?“ Er: „Was glaubst Du denn? Nur, weil diese doofen Schuhe nicht dicht sind und ich total nasse Füsse hatte. Den ganzen Abend lang musste ich so rumrennen. Da muss man ja krank werden.“ Der Tonfall und das Gesicht sagen dabei eindeutig „und schuld daran bist Du“. Wie konnte ich nur so fies sein, und es regnen lassen. Und wie konnte ich in all den Jahren nur gerade ungefähr 24 Millionen mal betont haben, dass Chucks bei Regen keine gute Idee sind. Dumme Mutter.

Auch ein Müsterchen ist: Kind erwartet auf der Post ein Paket. Leider bin ich nicht zu Hause, als der Postbote das Paket abgeben will. Also liegt abends ein Abholschein im Briefkasten. Den lege ich dem Kind beim Nachtessen an seinen Platz. Und jetzt kommt der Satz des Tages: „Was soll das? Das wäre doch mein Paket gewesen! Warum warst Du nicht da? Jetzt muss ich das Ding abholen!“ Vorwurfsvoller Blick mit bösen Runzeln. Nun ja, ich habe vergessen, dass ich erahnen muss, wenn eines der Kinder ein Paket erwartet. Und schliesslich habe ich gerade an solchen Tagen gefälligst zu Hause zu bleiben und auf den Postboten zu warten. Hallo? Wie konnte ich nur annehmen, ich wäre frei? Ich bin Mutter!

Ach ja: Habe ich schon erwähnt, dass mein Mann in solchen Situationen regelmässig feststellt, dass ICH unsere Kinder so verzogen habe. Sonst wären die nämlich NIE so geworden. Klar doch, schliesslich bin ja auch ich die Mama.

Und drum weiss ich seit 22 Jahren nun genau, was meine Mutter mit dem Satz meinte: „Mutter ist an allem schuld.“ Wie recht sie doch hat. Und wie gut, dass ich meine Lieben trotzdem niemals hergeben würde! 🙂

2 Gedanken zu „Geschrieben vor 1 1/2 Jahren … Reblog-Serie Teil 8

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