Die Generation Nervensäge wächst heran

Wer kennt sie nicht, die mühsamen Knirpse, die quengelnd im Einkaufsladen an der Mama zerren und sie dabei mit „Dumme Kuh“ oder „Du Blöde Du“ beschimpfen. Und man läuft Gefahr, dabei sofort das schlecht erzogene Kind zu verurteilen. Woher aber kommt dieses Phänomen der Nervensägen, die täglich mehr werden und welche die Lehrpersonen an den Rand des Wahnsinns treiben?

Gemäss Studien liegt es an vielen verschiedenen Faktoren, warum viele heranwachsende Kinder heute kaum noch zu kontrollieren sind. Ein grosser Aspekt ist aber bestimmt die Omnipräsenz der Eltern und das mediale Verhalten. Man hat allzeit auf allen Kanälen erreichbar zu sein. Es wird durch den Tag gehetzt, mit gestresstem Blick und zusammengekniffenen Lippen. Gerade in Städten fallen jene Menschen auf, die nicht hetzen und sogar ein Lächeln auf den Lippen haben. Diese sind aber inzwischen wahre Seltenheiten. Wie sollen die Kinder dieser Eltern zu halbwegs entspannten und „normalen“ Menschen heranwachsen können?

Der gestresste Vater rennt der grossen Karriere hinterher und hat 7 Tage die Woche Dauerpräsenz zu markieren. Die Mutter sollte ihm dabei den Rücken freihalten, möchte aber selber auch ihren Freiraum. Dabei werden Kinder nicht selten zu Pingpong-Bällen gestresster Paare, die sich das irgendwie so ganz anders vorgestellt hatten. Und weil das schlechte Gewissen dann am Elternherz knabbert, versucht man dem Nachwuchs möglichst alles auf dem Silbertablett zu servieren. Die genervte Mutter mit dem Handy am Ohr kauft während des Gesprächs dem kreischenden Bengel einen Schleckstengel am Kiosk, bezahlt, steckt dem Junior das Teil in den Mund und telefoniert dabei noch viel genervter weiter. Bilder, die heute überall und immer wieder zu sehen sind. Totale Reizüberflutung auf allen Kanälen.

Um dem Gewissen etwas Gutes zu tun, steckt man die aufsässigen Kleinen in die Waldspielgruppe, wo diese nichts mit sich anzufangen wissen. Stattdessen zertreten sie genüsslich jede Schnecke, die ihnen begegnet und schreien wie am Spiess, wenn sie sich das Knie aufschlagen. Wen wundert es – schliesslich werden sie von den Eltern sonst immer parallel zu gefühlt 100 anderen Tätigkeiten sofort erhört und bedient. Dinge wie Helfen, Warten, Zuhören, Beobachten und Rücksichtnehmen kennen diese Knirpse nicht. Man hat es ihnen nie gezeigt.

Ich frage mich ernsthaft, wie die Generation Nervensäge den Schritt in die Berufswelt machen will …

19 Gedanken zu „Die Generation Nervensäge wächst heran

  1. Nichts. Um es mal deutlich zu sagen.
    Da ich im letzten Jahr etliche Schulpraktikannten „durch“ habe, muss ich mal sagen, dass ich bei 90% nicht die geringste Ahnung habe, wie die später im (Berufs-)Leben zurechtkommen sollten….

    Der überwiegende Teil ist unpünktlich und hat spätestens an Tag 3 das erste Mal Bauch/Kopf oder sonstige Beschwerden, die das Erscheinen leider unmöglich machen. Die ganzen 2 Wochen ohne krank hat nur eine durchgezogen, mit krank und sporadischem Erscheinen nur 2. 😩 Und es ist WIRKLICH nicht außergewöhnlich hart/streng/anstrengend bei uns und sie kamen auf maximal 5 Std pro Tag 😂

    Ich sehe Arbeitstechnisch echt relativ schwarz und Bange in die Zukunft.

    Gefällt 2 Personen

    • Ja, das tönt sehr besorgniserregend. So viele psychiatrische Einrichtungen/ Praxen gibt es gar nicht, um später mal diese ganzen vermeintlichen „burn-out“-Patienten zu betreuen.
      5 Stunden Arbeit sind aber auch ein echt hartes Brot….und dann auch noch 2 Wochen am Stück.
      Was verlangen Sie?! 😉

      Leider betrifft dieses Problem nicht erst die Generation von morgen.
      Man darf auch jetzt schon beobachten, dass man diese work-life-balance ziemlich weit in Richtung „life“ verschieben und sich dabei dennoch mit dem Pflichtteil überfordert fühlen kann. Irgendein „Dummer“ findet sich wahrscheinlich immer, auf welche/n man prima Aufgaben abwälzen kann, wenn man keine Lust mehr hat.
      Das ist traurig und sehr unredlich der Gemeinschaft gegenüber.

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  2. „[…] dem kreischenden Bengel einen Schleckstengel am Kiosk, bezahlt, steckt dem Junior das Teil in den Mund und […]“

    Nachdem das Kindchen nach 6 Jahren vom ruhigstellenden Schnuller zwangsentwöhnt werden musste (Eintritt in die Schule), musste man sich eben nach probaten Alternativen umschauen.
    Das Knebeltuch erschien zu brutal, der Apfel zu gesund.

    Gefällt 1 Person

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