Leben will gelernt sein

Lebt ihr schon oder rennt ihr noch?

Mit meinen stolzen 50 Jahren (fast) und einem grossen Rucksack an Lebenserfahrung habe ich in der letzten Zeit etwas ganz extrem gemerkt: Wenn man wirklich lernen will, wie man lebt, dann ist man in der Schweiz am falschen Ort. Alles, was uns Schweizer auszumachen scheint, sind Werte, welche für eine gute Lebensqualität höchstens hinderlich sind. Da hätten wir zum Beispiel:

Pünktlichkeit
Disziplin
Zuverlässigkeit
Strebsamkeit
Erfolg
Ansehen
Titel
und vieles mehr, was nicht glücklich macht.

Während viele Nationalitäten rund um uns herum schon lange gelernt haben, die Fünf mal grade sein zu lassen, die Messlatte nicht immer zu hoch zu legen und nicht alles nur auf die Zukunft auszurichten, lernen Herr und Frau Schweizer das wohl nie. Wir sichern uns ab bis in alle Ewigkeit. Unsere Planung liegt mit dem Fokus immer auf dem Pensionsalter. Wir rennen Tag ein Tag aus der Perfektion hinterher und versuchen alles, um die wichtigen Dinge immer sogleich zu erledigen. Unwichtige Dinge wie Reisen, Familienzeit oder einfach nur SEIN, all diese Dinge können gemäss Herr und Frau Schweizer ja warten … bis irgendwann. Und da stellt sich mir jeden Tag aufs Neue die Frage: Wissen wir überhaupt, was wichtig und was unwichtig ist? Können wir in der Schweiz überhaupt leben … oder sind wir Meister darin, hoffentlich bis zum Pensionsalter zu ÜBERleben, um dann vielleicht endlich ein bisschen zu geniessen? Ich glaube nämlich, dass das zweite der Fall ist und wir – falls wir überhaupt bis zur Pension kommen – auch nach der Arbeitszeit nicht wissen, wie man lebt. Im Gegenteil: In der Schweiz werden nicht selten Menschen, welche den Fokus auf das LEBEN legen, als Verlierer oder Aussteiger abgestempelt.

Liebe Leser/innen, wenn ich euch einen echten Herzenstipp geben darf: Legt euren Fokus auf das HIER und JETZT … die Vergangenheit ist ohnehin schon durch und wenn man ständig in der Zukunft lebt, dann vergisst man dabei leider die Gegenwart. Und genau die ist es, in welcher wir gerade sind. Jetzt, in dieser Sekunde – durchatmen, und leben. Ich lerne es auch noch … jeden Tag!

28 Gedanken zu „Leben will gelernt sein

  1. Meinen neuen Freiraum ganz für mich allein habe ich mir auf meinem Balkon geschaffen:
    Eine Hängematte.
    Wenn man den Blick nach oben in das Blau des Himmels und auf die sich ständig wandelnden Wolkenformationen richtet, könnte man meinen, man würde schweben. Sehr meditativ. Man muss nur den Gedankenschalter zuverlässig umgelegt bekommen. 🙂

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  2. Genau so! Das bringst Du sehr schön auf den Punkt, Liebes ❤️ NIMM DIR ZEIT UND LEBE…JETZT….und dieses Dureschnuufe hat mir schon so manches Mal geholfen wenn sich Ängste o.ä. breit gemacht haben…indem ich mich auf den Atem konzentriere fokussiere ich das JETZT und spüre das Leben im ein- und ausatmen…und wie ich ruhig werde….und lausche….in mich hinein….und um mich herum….

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  3. Vor einigen Monaten traf ich einen früheren Lehrmeister meines Mannes, als ich mit meinen Hunden unterwegs war. Er und seinen Frau gingen glücklich mit dem neuen Familienmitglied Buddy spazieren, einem Zwergspitz. Ein paar Wochen später traf ich nur ihn, – ohne Hund. Er müsse ins Spital da er nicht mehr schlucken könnte, Buddy musste zum Züchter zurück, da seine Frau auch nicht mehr so gut zwäg war. Via Facebook erfuhr man dann, das er Speiseröhrenkrebs hat und die Chemo begann. Letzte Woche sah ich auf seiner FB-Seite Posts mit Beileid, Ruhe in Frieden etc. Ich brauchte einen Moment um zu realisieren – nicht er ist gestorben, sondern sie (…) Niemand weiss wann er gehen muss – ich mache es wie meine Hunde – lebe im Hier und Jetzt. Solange wir atmen leben wir – wer weiss was morgen ist.

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  4. Du spricht es mit klaren Worten aus!
    Leben um zu Leben!
    Just do it!
    Mir tun ja die kleinen Knirpse leid, welche von ihren Eltern gesteuert in ihrer Schulfreizeit noch in X Zusatzstunden verknurrt werden.
    Keine Kinderfreizeit mehr, getrillt für das Leben.

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