Alles hat ein Ende …

… auch das Leben. Wie gerne schieben wir diese Tatsache beiseite. Keiner möchte endlich sein – und doch sind wir es. ALLE. Manche früher, andere etwas später. Geblieben ist noch keiner. Daran können wir nichts ändern. Das einzige, was wir möglicherweise bestimmen können ist, wie wir den letzten Weg gehen möchten.

Vermutlich denken sich jetzt viele, dass sie einfach zu Hause tot umfallen wollen. Nun ja, wer möchte das nicht? Schmerzfrei, kurz und frei von Krankheiten oder Gebrechen sich von dieser Erde zu verabschieden, das wäre der Wunschgedanke der meisten Menschen. Im Zeitalter der Hightechmedizin ist das leider den wenigsten vergönnt.

Das Thema Tod war bei mir schon als Kind in meinen Gedanken präsent. Ich habe keine Ahnung, warum das so ist – aber es hat mich immer interessiert und ich habe mich immer schon damit beschäftigt. Schliesslich habe ich mich auch mit der Geburt beschäftigt. Und alles, was zwischen Geburt und Tod ist, beschäftigt mich täglich – MEIN LEBEN.

Was aber, wenn sich meine Leben dem Ende neigt? Was, wenn ich zu Hause nicht mehr sein kann, es aber tunlichst vermeiden möchte, in einem Krankenhauszimmer klinisch rein oder in einem Heim meinen letzten Weg zu gehen? Was, wenn ich trotzdem gerne gut aufgehoben, gepflegt und mit allen nötigen Medikamenten versorgt sein möchte? Dann gibt es in meinem Heimatkanton seit neustem ein Hospiz. Einen Ort, an welchem mit viel Liebe ein Zuhause auf Zeit erschaffen wurde. Mit Empathie, baulichem Geschick und ganz viel Menschenliebe wurde ein Haus erschaffen, wo gleichzeitig sechs Patient:innen den letzten Weg gehen können. Alleine? Natürlich nicht. Familie und geliebte Menschen dürfen diesen Weg nach Gutdünken begleiten und haben den nötigen Freiraum für Körper und Seele, um Abschied nehmen zu können.

Ich engagiere mich sehr für dieses Projekt und erfahre oft, dass Menschen innerlich einen Schritt zurück machen, wenn ich sie auf das Thema Sterben und Tod anspreche. Warum? Es betrifft uns alle! Und Angst machen vor allem jene Themen, die wir unter dem Tisch lassen. Nehmen wir sie aus der Verbannung hervor und legen wir sie auf den Tisch, dann merken wir ganz schnell, dass sie an Schrecken verlieren. Warum sprechen wir hochzivilisierten Menschen über alles – ausser über den Tod? Weil er zu wenig sexy ist? Fakt ist: Der Tod wird immer unwiderrufbar und deshalb auch traurig sein. Er wird immer ein Abschied für die Ewigkeit sein. Das ändert sich aber nicht, wenn wir ihn einfach wortwörtlich totschweigen. Wir können es uns allerdings leichter machen, indem wir ihm den nötigen Raum geben – denn er gehört nunmal dazu – bei jedem von uns. Genauso wie das Lachen, das Weinen, das Freuen und das Trauern.

Ich bin deshalb unglaublich stolz auf die Erschaffer des wunderschönen Hospiz‘, welches gestern seine Türen öffnen konnte. Und wenn euch immer noch ein kalter Schauer den Rücken runterläuft, dann schaut euch die Bilder an, die ich vor Ort gemacht habe. Es ist tatsächlich ein Ort, der ganz viel Wärme, Liebe und Geborgenheit ausstrahlt und der eine Lücke schliesst, die es leider in unserer Gesellschaft immer noch gibt.

Wohlig warme Farbtöne …
… mit Nischen für Besucher …
… mir viel Liebe zum Detail …
… mit dem Auge für das Wärmende …
… der Möglichkeit, zum Füsse hochlegen …
… dem Platz für die kleinen Besucher …
… dem Platz, um der Seele und dem Körper eine Pause zu geben …
… und der Möglichkeit, immer einen Blick nach draussen werfen zu können.

Das Team rund um dieses letzte Zuhause hat einen grossartigen Job gemacht. Man kommt rein und hat das Gefühl, zu Hause zu sein.

Ich hoffe, dass ich euch zum Nachdenken anregen durfte – vor allem jene, die das Thema gerne unter dem Tisch lassen würden. Nehmt es einmal für einen kurzen Moment hoch ans Tageslicht, betrachtet es und überlegt euch, wie ihr euch euren letzten Weg wünschen würdet.

9 Gedanken zu „Alles hat ein Ende …

  1. Das ganze Team vom Sterbehospiz hat tolle Arbeit geleistet. Sie haben so viele Stunden investiert um das Projekt zu realisieren“Hut ab“ vor dieser Leistung. Zudem sie auch immer wieder auf Spenden angewiesen sind. Wirklich eine tolle und gelungene Sache! Alles ist so liebevoll und würdevoll eingerichtet.

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