In der Welt der Schönen und Reichen …

… und die Modepraline ist mittendrin. Aber: Leider passt sie dort so gar nicht hin!!!

Seit ich denken kann, habe ich immer das altehrwürdige Hotel Palace in Gstaad bewundert. In meinen Gedanken habe ich mir immer ausgemalt, wie wunderbar dieses Haus sein würde und dass ich irgendwann dort einmal zu Gast wäre.

Objekt der Begierde …

Ja, ihr ahnt es: Ich habe mir die letzten Tage diesen Traum erfüllt und musste merken, dass dieses Haus wohl wunderschön, aber so gar nicht meine Welt ist. Zu viele Regeln, zu viel Show, zu wenig Seele. Das ist mein Fazit!

Wenn man dieses Hotel bucht, merkt man vorerst mal nicht, was für versteckte oder offene Regeln hinter den Mauern herrschen. Irgendwie ist mir deshalb auch gar nicht in den Sinn gekommen, dass ich mich an Regeln stossen könnte, die mir einfach nicht in den Kopf gehen wollen. Es versteht sich für mich von selber, dass ich bei einem Besuch in einem derart exklusiven Haus nicht mit dem Jogginganzug anreise. Gepflegte Garderobe ist für mich selbstverständlich. Aber da scheiden sich nun die Geister tatsächlich. Die Definition der gepflegten Garderobe scheint im hohen Gstaad eine etwas andere zu sein, als hier bei uns.

Beim Check-In fiel der Blick der Empfangsdame auf meine Schuhe und der Kommentar dazu war: „Diese Schuhe gehen aber ab 19.00 Uhr in unserem Haus in den Speisebereichen und in der Bar nicht mehr.“

Meine geliebten, sauberen und gepflegten Sneaker – ein Unding!

Ich merkte, wie sich in mir etwas sträubte, was ich aus Kinderzeiten noch sehr gut in Erinnerung habe. Man nennt das Trotz – und ja, ich bin mit 55 definitiv zu alt dafür. Allerdings habe ich auch mit 55 noch immer das Problem, dass ich mich mit Dingen, die mir absolut nicht in meinen Kopf gehen wollen, nur sehr schwer anfreunden kann. Da gehören Dinge wie solche Regeln dazu:

… ist das nun sexistisch, rassistisch, politisch inkorrekt oder einfach nur dämlich?

Beim Eingangsbereich im Erdgeschoss des Hauses hängt dann noch folgendes, hübsch gerahmtes Bild in der palaceüblichen Sprache (kein Mensch spricht dort Deutsch)!

Ob Pyjamas okay wären?

Ich habe mich knurrend an die Regeln gehalten, weil das Essen im Palace wunderbar schmeckt. Dabei habe ich mich im Minutentakt erwischt, wie ich JEDER und JEDEM auf die Füsse geguckt habe. Wehe, wenn ich da Sneakers gesehen hätte. Und was genau ist falsch an Polo Shirts oder an einem Mantel??? Oder noch viel schlimmer: Warum geht all das bis 19.00 Uhr in Ordnung – ab da aber nicht mehr? Verändern sich da die Sneakers in Bauschuhe, die Mäntel in Zelte und die Polo Shirts in Regenschirme???

Ich habe mir natürlich die Frage gestellt, was passieren würde, wenn ich mich einfach NICHT an die Regeln halten würde – schliesslich habe ich gleichviel bezahlt, wie die Schönen und Reichen im Palace. Ehm … also, die Konsequenzen wären dann ziemlich einsam. Man wird nämlich aufs Zimmer gebeten und bekommt sein Essen dort serviert. Hallo?

Ich rekapituliere: Die liebe Modepraline in ihrer vollen Fülle hat sich einfach nicht in das Bild dieser Welt dort einfügen wollen/können. Ich trage keine Kleidergrösse 34 (nein, meine ist 42 – diese Grösse kennt man in Gstaad gar nicht). Mein Gesicht und mein Chassis sind noch die Originalversion. Schon alleine das ist im schönen Nobelort sowas Ähnliches wie etwas Ausserirdisches. Dort ist Frau gepimpt bis zum Umfallen! Ich finde klimatisierte Speisesäle furchtbar, weil ich Mühe damit habe, mir mit Stil den Arsch abzufrieren. Übrigens hat man mir – auf meine Bitte, die Klimaanlage etwas runter zu drehen – eine Wolldecke in den Speisesaal gebracht. Aha, Wolldecke geht – Sneakers aber nicht! 🙂

Weil man ja weder, Sneakers, noch Poloshirts, noch Jeans oder sonst was zum Essen tragen darf, wollte ich mir natürlich eine schöne Hose holen. Hat ja massig Geschäfte in Gstaad. Das einzige, was ich ÜBERALL bekommen haben, ist das Kopfschütteln der Verkäuferinnen. Kleidergrösse 42? Sorry, aber wir verkaufen hier nur bis 38.

Könnt ihr euch die ziemlich verwirrte und enttäuschte Modepraline vorstellen? Ich dachte ja immer, ich sei gut angezogen und mit meinen 55 Jahren sei ich ganz okay. Nach vier Tagen im schönen Gstaad komme ich nach Hause und frage mich, ob ich nun zuerst zum Beautydoc, in die Ernährungsberatung oder zur Fashionberatung gehen soll.

Keine Angst – ich habe mich das glücklicherweise nicht eine einzige Sekunde ernsthaft gefragt. Ganz im Gegenteil. Ich weiss jetzt einfach, dass die Welt der Schönen und Reichen nicht die meine ist und dass ich diese lieber im Fernsehen anschaue. Das Benehmen dieser wahnsinnig elitären Gilde ist nämlich nicht selten sehr fragwürdig. Da werden schamlos Tischnachbarn mit fetten Zigarren eingenebelt und der Alkoholkonsum ist derart hoch, dass im Schnitt alle fünf Minuten ein Glas zu Bruch geht. Eine Entschuldigung beim gebeutelten Personal ist da Fehlanzeige.

Was lernen wir daraus: Du kannst ein totales A….loch sein, solange Du keine Sneakers trägst und den Oberkörper auch bei über 30 Grad auf der Veranda in ein Sakko steckst. Ich muss diese Welt nicht verstehen. Bei mir würde der CODE am Eingang anders klingen:

„Wir heissen bei uns alle herzlich willkommen, die wissen, wie man sich benimmt und die unsere Arbeit zu schätzen wissen. Alle anderen dürfen gerne draussen bleiben.“

11 Gedanken zu „In der Welt der Schönen und Reichen …

  1. … oder, wenn sich eine schöne und reiche, in der Welt der schönen und reichen, nicht wohl fühlt. 😉
    Das ist der Unterschied zwischen sein und Schein. 🙂
    Wer schön, reich, intelligent, ehrlich und authentisch ist, braucht es der Welt nicht unter die Nase zu reiben. 🤷‍♀️

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